G E N D E R
        R E A D E R  
        Eine Frage des Geschlechts  
        --- Erscheinungstermin: 15. Juli 2004 ---  
           

 

   

 

A. Gender – Idee und Konzept

1. Vom Mauerblümchen zum Straßenfeger – Geschlechtliche Gleichstellung als Querschnittsaufgabe in Organisationen und Unternehmen

2. Genderforschung gleich Frauenforschung?
 

B. Arbeit

3. Teilzeitarbeit – von einer geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktfalle zu einer Brücke für Männer und Frauen?

4. „Geld oder Leben“? - Männliche Erwerbsorientierung und neue Lebensmodelle unter veränderten Arbeitsmarktbedingungen

 

C. Geld

5. Mit Gender Budgeting zum geschlechtergerechten Haushalt
 

D. Gesundheit

6. Männer sterben früher und Frauen haben auch Herzinfarkt - Gesundheit und Geschlechtsbezug

7. HIV/AIDS und Gender
 

E. Erziehung/Bildung

8. Gender im (Re)Konstruktionsprozess: Perspektiven geschlechtsbezogener Bildung
 

F. Internationales / Entwicklungspolitik

9. Gender: Ein ökonomisch-technischer Begriff für politische Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit?

10. Demokratisierung in Lateinamerika – Möglichkeiten zur Veränderung alteingesessener Genderrollen?

11. TOSTAN – Eine Herausforderung für die Entwicklungstheorie? - Weibliche Genitalverstümmelung im Kontext von Geschlecht, Kultur und postkolonialer Kritik
 

G. Kultur und Medien

12. Mythos „Femme fatale“  – Zur medialen Inszenierung weiblicher Leidenschaft im Film

13. Der Einfluss des Faktors Geschlecht auf die Filmpräferenz

14. Der Cyberspace als Spielwiese der Geschlechterkonstruktion


 

H. Gender meets Race

15. Sushi und Muskeln - zur Intersektionalität von "Rasse" und Weiblichkeit"

16. 'Gender meets Race' im zeitgenössischen Hollywood-Film
 

I. Gender – jenseits von Heterosexualität

17. Versuche der Eingrenzung von Grenzüberschreitungen männlich-weiblicher Erotik: Bi-, Poly-, Multi-Sexualitäten
 

J. Nachwort

 

A. Gender - Idee und Konzept

1. Vom Mauerblümchen zum Straßenfeger - Geschlechtliche Gleichstellung als Querschnittsaufgabe in Organisationen und Unternehmen
  Klaus Schwerma, Andrea von Marschall, Berlin
   

Kritische Würdigung und Geschichte von Gender Mainstreaming. Welche Chancen und Risiken bringt Gender Mainstreaming mit sich? Birgt das Konzept die Gefahr der Fortschreibung der Zweigeschlechtlichkeit, nicht aber deren Aufhebung?

   
   
2. Genderforschung gleich Frauenforschung?
  Willi Walter, Berlin

Ein Plädoyer für die Beibehaltung der Männer- und Frauenperspektive. Welche Gründe gibt es, Frauen und Männer getrennt voneinander zu fördern? Warum ist Genderforschung nicht gleich Frauenforschung?


B. Arbeit

3. Teilzeitarbeit - von einer geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktfalle zu einer Brücke für Männer und Frauen?
  Lena Hipp, Berlin
   

Die Regulierung von Teilzeitarbeit hat in den vergangenen drei Jahrzehnten sowohl im Bezug auf die Quantität als auch auf die Qualität von Teilzeitarbeit erhebliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt bewirkt. Ob sich daraus Vor- oder Nachteile für Frauen und Männer ergeben, wird von der Autorin kritisch erörtert.

   
   
4.

„Geld oder Leben“? - Männliche Erwerbsorientierung und neue Lebensmodelle unter veränderten Arbeitsmarktbedingungen

  Marc Gärtner, Vera Riesenfeld, Berlin

Das Forschungsprojekt "Work Changes Gender" der Katholischen Fachhochschule für Sozialpädagogik Berlin untersucht im Auftrag der EU die Bedeutung der Umbrüche auf den Arbeitsmärkten für die Selbstkonzepte von Männern in fünf europäischen Ländern und Israel. Dabei werden unter anderem die Gültigkeit hegemonialer Leitbilder von Männlichkeit und deren ausschließlicher Bezug auf Erwerbsarbeit hinterfragt. Was bringen diese Leitbilder für die Geschlechterforschung und -praxis?


C. Geld

5. Mit Gender Budgeting zum geschlechtergerechten Haushalt
  Uta Kletzing, Berlin
   

Gender Budgeting ist ein unverzichtbares Element der Strategie des Gender Mainstreaming. Es entwickelt Indikatoren für die Festsetzung eines geschlechtergerechten Haushaltes. Weniger Eindeutigkeit besteht jedoch bezüglich der Auswahl der Prämissen und den Erfolgsaussichten. Wie kann geschlechtersensibel gehaushaltet werden?


D. Gesundheit

6.

... Männer sterben früher und auch Frauen haben Herzinfarkt ... Gesundheit und Geschlechtsbezug

  Brigitte Sorg, Berlin
   

Frauen erkranken anders als Männer. Frauen unter 50 Jahren sterben häufiger als gleichaltrige Männer an Herzinfarkt, obgleich diese häufiger und früher daran erkranken. Eine angemessene Versorgung beider Geschlechter setzt wissenschaftliche Erkenntnisse über Männern und Frauen voraus. Die bisherige Forschung in der Medizin und in den Gesundheitswissenschaften ist bei Krankheiten, die Frauen und Männer betreffen, weitgehend geschlechtsneutral oder am männlichen Krankheitsbild orientiert. Wie können geschlechtsspezifische Verzerrungseffekte in Gesundheitsforschung vermieden werden?

   
   
7. HIV/AIDS und Gender
  Michael Ruf, Berlin
   

Wurde HIV/AIDS anfangs als Bedrohung für homosexuelle Männer gesehen, sind heute weltweit Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. Inwiefern kann von geschlechtsspezifischer Gefährdung einer HIV-Infektion die Rede sein? Wie muss die Kategorie Gender in die Präventionsarbeit einbezogen werden? Wie zeigt sich die Implementierung von Gender in die Bekämpfung von AIDS konkret in einer Institution wie der UNESCO?


E. Erziehung/Bildung

8. Gender im (Re)Konstruktionsprozess: Perspektiven geschlechtsbezogener Bildung
  Martina Busche, Berlin
   

Nach einem kurzen Überblick über das Feld der geschlechtsbezogenen Pädagogik geht die Autorin auf Geschlechterkonstruktionen unterschiedlicher Konzepte geschlechtsbezogener Bildung (mit Schwerpunkt auf Jungenbildung) ein. Leitende Fragen dabei sind, wie die aktuelle Gender-Debatte um Geschlecht und eine Kritik an binären Geschlechterverhältnissen in Bildungsansätze einfließt und welche Transformationsprozesse durch die Einbeziehung geschlechtskritischer Ansätze angeregt werden.


F. Internationales / Entwicklungspolitik

9. Gender: Ein ökonomisch-technischer Begriff für politische Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit?
  Catrin Becher, Bonn
   

Die in den letzten Jahrzehnten sich global herausbildende Frauenbewegung zeigt, dass die Frage nach Mann oder Frau auch über nationale Grenzen hinweg an Bedeutung gewonnen hat. Trägerin dieser Thematisierung und gleichzeitigen Vernetzung ist auch die bi- und multinationale Entwicklungszusammenarbeit, über die Frauenförderung und Gender-Programme in den Partnerländern ausgetragen werden. Im Zuge dieses Prozesses kommt es jedoch zu einer Entpolitisierung, Technokratisierung und Bürokratisierung. Der Entwicklungsdiskurs und die Entwicklungsrhetorik verwalten dann nur noch die Handlungen der AkteurInnen.

   
   
10. Demokratisierung in Lateinamerika - Möglichkeiten zur Veränderung alteingesessener Genderrollen?
  Bettina Boekle, Berlin
   

Welche Rolle spielt Feminismus in Lateinamerika? Die Autorin geht davon aus, dass sich im Rahmen der Demokratisierungsprozesse in den letzten 20 Jahren nennenswerte Rechtsveränderungen für lateinamerikanische Frauen ergeben haben. Dass diese aber nicht unbedingt auch gesellschaftliche Rollenveränderungen bewirken und deshalb politische Umsetzungsalternativen geschaffen werden müssen, wird anhand der Arbeit von städtischen Gleichstellungsabteilungen in Sao Paulo/Brasilien gezeigt.

   
   
11.

TOSTAN – Eine Herausforderung für die Entwicklungstheorie? - Weibliche Genitalverstümmelung im Kontext von Geschlecht, Kultur und postkolonialer Kritik

  Daniela Hrzán, Berlin
   

Bezugnehmend auf den Paradigmenwechsel von rein frauenzentrierten zu genderorientierten Ansätzen in der Entwicklungstheorie und im entwicklungstheoretischen Diskurs, untersucht die Autorin, welcher Stellenwert traditionellen kulturellen Praktiken, insbesondere weiblicher Genitalverstümmelung, zugewiesen wurde. Dabei interessiert sie vor allem der Zusammenhang zwischen genderorientierten Ansätzen und Ansätzen, die ausdrücklich Kultur thematisiert haben, sowie feministische Stimmen innerhalb der postkolonialen Theorie.


G. Kultur und Medien

12. Mythos "Femme fatale": Zur medialen Inszenierung weiblicher Leidenschaft im Film
  Stephanie Catani, Bochum
   

In Bezug auf die gegenwärtige Darstellung erotischer Verführung und sexueller Libido im Medium Film sind häufig deutlich geschlechtsspezifische Unterschiede zu verzeichnen. Das Kino und sein Publikum präsentieren ihre offensichtliche „Schau-Lust“ an der Figur der Femme fatale, die im Gegensatz zu ihrer männlichen Gegenfigur, dem vielfach charmanten Don Juan, einer deutlichen Dämonisierung unterliegt. Ein Blick auf die Geschichte der Kinoleinwand vor dem Hintergrund der diesbezüglichen theoretischen Debatte soll jedoch nicht nur die stereotypen Muster dieser spezifischen Inszenierung von Weiblichkeit, sondern bereits erste Schritte einer Relativierung der tradierten Bilder offen legen, welche die unbestrittene Faszination des Mediums Film in keiner Weise beschneiden muss.

   
   
13. Der Einfluss des Faktors Geschlecht auf die Filmpräferenz
  Johanna Vollhardt, Köln
   

Ausgehend von dem empirischen Fund, dass Menschen jene Filme präferieren, in denen sie sich aufgrund von Ähnlichkeiten mit der Hauptfigur identifizieren können, wirft die Autorin die Frage auf, ob nicht die Darstellung der Geschlechter im Film die Entstehung von Präferenzen beeinflusst. So zeigen Studien, dass Sehpräferenzen sich ändern, wenn die Zuordnung des Geschlechts der Hauptfiguren zu den Genres weniger stereotyp ist. Dies wird als Hinweis auf die soziale Konstruktion von Präferenzen gesehen.

   
   
14. Der Cyberspace als Spielwiese der Geschlechterkonstruktion
  Vanessa Watkins, Lüneburg
   

Cyberfeminismus ist ein Label für einen genderbezogenen Diskurs im Internet und erforscht die Überschneidungsbereiche zwischen Genderidentität, Körper, Kultur und Technologie. Der Artikel setzt sich mit der neuen Informationstechnologie kritisch auseinander. Cyberfeministinnen erforschen das Potenzial der neuen Technologie, um stereotypen Geschlechtszuschreibungen zu entgehen und weg vom Mythos der "männlichen" Technik zu kommen.


H. Gender meets Race

15. Sushi und Muskeln - zur Intersektionalität von "Rasse" und "Weiblichkeit"
  Anja Michaelsen, Berlin
   

Der Artikel geht der Frage nach, wie der "Boom", den (ost)asiatisches Essen erfährt, aus einer kritischen und geschlechtersensiblen Perspektive zu verstehen ist. Im Vordergrund steht die Verknüpfung von Geschlechter- und Fremdheitsdiskurs, dem Begehren nach "Einverleibung" des "Fremden" und der damit einhergehenden Sexualisierung desselben. "Exotisches" Essen, so die These, ist konkrete Verkörperung und Metapher eines "globalisierten" Begehrens, das nach wie vor einem hierarchischen Verhältnis zwischen "West" und "Ost" entspricht.

   
   
16. 'Gender meets Race' im zeitgenössischen Hollywood-Film
  Michael Ruf, Berlin
   

Spielfilme liefern uns Wissen über Ethnizität, Kultur und Geschlecht. In ihrer feministischen Filmtheorie propagierte Laura Mulvey, wie das Mainstream-Kino für einen "männlichen Blick" gemacht ist. Ausgehend von diesem Ansatz zeigt der Artikel die Begrenztheit einer reinen Gender-Analyse ohne andere Kategorien in die Untersuchung mit aufzunehmen. Anhand konkreter Filmbeispiele wird deutlich, wie sich Ergebnisse potenzieren, relativieren, umkehren oder erheblich differenzieren, betrachtet man die filmischen Texte durch eine Gender-Brille und hinsichtlich des Differenzmerkmals "Race".


I. Gender - jenseits von Heterosexualität

17. Versuche der Eingrenzung von Grenzüberschreitungen männlich-weiblicher Erotik: Bi-, Poly-, Multi-Sexualitäten
  Dieter Dorn, Berlin
   

Eine heterosexuelle Sicht auf die Welt ist in vielerlei Hinsicht einschränkend. Der Autor erläutert die Entdeckung bisexuellen Verhaltens durch die Sexualwissenschaft. Der Artikel erläutert Konzepte bi- und multisexueller Identitäten sowie die sich daraus ergebende geschlechter-politische Bedeutung sexueller Identität. Ein einführender Artikel zum Thema "sexuelle Orientierung", der klassische Konzepte der Sexualwissenschaft sowie neue empirische Studien beinhaltet.


J. Nachwort

  Rita Süssmuth
   

Frau Süssmuth bilanziert den Wandel der Geschlechterdiskurse in den letzten Jahrzehnten und nimmt, ausgehend von ihrer langjährigen Erfahrung, Stellung zu Artikeln des Sammelbandes. Sie nimmt eine aktuelle Einschätzung politischer Prozesse und wissenschaftlicher Diskussionen hinsichtlich Geschlechterfragen vor und blickt in die (Gender-) Zukunft.

 

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